Sonnige Apriltour mit Abkühlung

Der April macht ja bekanntlich “was er will”. Dieses Sprichwort bezieht sich auf das sehr wechselhafte Wetter, dem der Radfahrer im April ausgesetzt ist.

Wir starteten unsere erste Tour des Jahres bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen 14°C. Die vergangenen Monate waren trist und kalt, so fieberten wir dieser ersten Tour schon seit einer gefühlten Ewigkeiten entgegen. Wochenendtermine wurden unter Vorbehalt vergeben um so immer die Möglichkeit ergreifen zu können, bei gutem Wetter doch auf den Sattel des MTB, statt dem Barhocker des Szene-Cafés Platz zu nehmen.

Am 14.11.2015 hatte die letzte MTB-Tour stattgefunden. Fast 4 Monate und 2 Wochen, über ⅓ Jahr war seit der letzten langen Tour vergangen. Unfassbar. Und genau mit dieser Tour sollte die Saison auch wieder beginnen. Sie führte uns einmal um den Brocken herum. “Warum nicht auf den Brocken?” werden sich Einige jetzt fragen. Tja, weil auf diese Idee gefühlt noch tausende andere Leute kommen bei gutem Wetter. Und auf Rentnerslalom hat ja nun wirklich niemand Lust. Außerdem muss man sagen, dass es auf dem Brocken selber nicht allzu viele Trails gibt, deren Qualität auch eher mittelmäßig ist. Drumherum hingegen gibt es das ein oder andere Highlight.

Der Sonne entgegen. So beginnt die erste Tor des Jahres

Der Sonne entgegen. So beginnt die erste Tor des Jahres

Unsere Tour startete auf einem Parkplatz in Bad Harzburg. Dieser Parkplatz ist der Startpunkt vieler toller Touren mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.

Das Schönste an einer MTB-Tour sind, für mich persönlich, die Abfahrten. Ich denke das geht den meisten so. Dafür müssen wir allerdings zuerst nach oben. Also auf in den ersten Anstieg. Und der lässt in Bad Harzbug nicht lange auf sich warten. Das schöne an den Anstiegen hier ist, dass sie nicht nur sehr steil, sondern auch sehr technisch sind. Man muss schon darauf achten, welche Linie man fährt, um nicht ständig neu ansetzen zu müssen. So benötigten wir für die ersten 300 Höhenmeter knapp über 40 Minuten.

Linie finden und hoch

Linie finden und hoch

Auf 600 Meter Höhe geht es dann etwas gemütlicher über die Ecketalsperre und überquert ein Stück deutscher Geschichte. Auf der Mitte der Staumauer endete, bis zum 09.11.1989   die BRD. Wir fuhren also in die ehemalige DDR. Ein riesiger Grenzstein steht weiterhin auf der Staumauer und Informationstafeln bieten dem Interessierten ausführliche Informationen zur Geschichte der Grenzsicherung. Die nächsten Kilometer bieten einen schönen Ausblick auf den Eckerstausee und den Harz.

Doch mehr Schnee als erwartet

Doch mehr Schnee als erwartet, also lieber mal abbiegen…

In der nächsten Steigung entdecken wir, im Schatten einiger sehr hoher Bäume, ein paar Schneereste. Zeitzeugen der tristen und kalten, jetzt hoffentlich vergangenen, Jahreszeit. Scherzend zückt einer der Gruppe sein Smartphone und dokumentiert “die letzten Spuren des Winters”. Hätten wir gewusst, was noch auf uns zukommt, wir hätten diesem Häufchen Elend keine weitere Beachtung geschenkt.

Angekommen auf 700m waren es keine Häufchen Schnee mehr, sondern teilweise komplett geschlossene Schneedecken auf den Waldwegen. Je höher wir kamen, desto mehr Schnee lag und aus der ersten MTB-Tour wurde teilweise eine Schlitterpartie. Nach einer kurzen Gewöhnungsphase hatten wir schnell Spaß an wilden Bremsmanövern mit blockierendem Hinterrad gefunden.

Die perfekte Abkühlung nach einem anstrengenden Anstieg

Die perfekte Abkühlung nach einem anstrengenden Anstieg

Trotz fallender Temperaturen, die Anstiege wurden steiler und die Belastung für den mit Winterspeck beaufschlagten Körper wuchs. So wurde der Schnee für uns zur willkommenen Abkühlung.

Ein letzter verblockter, technischer und steiler Anstieg und wir erreichten unseren ersten Rastplatz (Die große Zeterklippe) mit Blick auf den Brocken. Ein paar Snacks und etwas Entspannung sollten die Vorbereitung für die Erklimmung des Wurmberges sein.

Nasse Wurzeln kreuz und quer

Nasse Wurzeln kreuz und quer

Der Anstieg zum Gipfel des Wurmberges zeichnet sich durch besonders viele längs und quer zum Trail verlaufende Wurzeln aus. Zu allem Überfluss sind diese selten trocken, so dass fahrerisches Können und Feingefühl in den Oberschenkeln gefragt ist. Nur selten schafft man hier 30m ohne einen Fuß absetzen zu müssen, weil das Hinterrad mal wieder weggerutscht ist. Als wenn das nicht genug ist, muss man das Vorderrad mit Nachdruck auf dem Boden halten, da der Anstieg so extrem steil ist. Und wofür das ganze? Noch mehr Schnee!

Nicht bist zum Hals stand uns der Schnee, aber locker bis zum Knie

Nicht bist zum Hals stand uns der Schnee, aber teilweise bis zum Knie

Auf der Schattenseite des Wurmberg angekommen liegt noch immer kniehoch Schnee. Der sonst so flowige und von der Belastung erholsame Trail ist zugeschneit und wird zur Zerreißprobe. Zwanzig Minuten kämpfen wir uns durch den Schnee. Müssen unsere Bikes sogar schieben, teilweise tragen, weil es auf dem Schnee anders einfach nicht weitergeht.

Nachdem wir es durch die Schneemassen geschafft haben nähern wir uns dem Highlite der Tour, dem Pionierweg. Er windet sich, entlang der Ecker, durch das Gehölz des Harzes. Der Untergrund wechselt ständig zwischen griffigem Waldboden, rutschigem Schotter, schmierigem Matsch, rauem Fels und Holzstegen. Die wechselnden Untergründe und das starke Gefälle machen ihn zu meinem Favoriten im Harz. Bei Dunkelheit sollte man hier nur noch mit sehr leistungsfähigen Scheinwerfern fahren. Das dunkle Unterholz des Waldes scheint hier alles alles an Licht zu schlucken. Schon das ein oder andere Mal musste man sich hier herunterzittern, weil der Zeitplan durch unvorhergesehene Zwischenfälle (gebrochene Sattelstützen, platte Reifen oder Mitfahrer)  durcheinander gekommen ist.

Ein Teil des Trails war bereits freigefahren

Ein Teil des Trails war bereits freigefahren

Wir haben Glück, sind zeitig vor Ort und auch der Schnee liegt lediglich auf dem ersten Viertel der Abfahrt. Aus dem Matsch sind während des Winters allerdings vorderradverschlingende Matschfelder geworden. Das MTB eines Mitfahrers musste dieser mit Nachdruck aus einem dieser Felder befreien.

Den Schnee hinter uns gelassen rollte es nur so und man kam schnell in den Flow. Der Wald rauscht an einem vorbei. Man ist so fokussiert auf den Trail und sein Bike, dass man alles um sich herum vergisst. 20 Minuten dauert die Abfahrt und war jede Minute im Anstieg wert.

Der Rest der Tour ist gemütliches Ausrollen auf den letzten Kilometern. Auf dem Parkplatz angekommen sind wir platt aber glücklich die Tour gefahren zu sein. Der Schnee hat richtig Kraft gekostet, ein schöner Abschied von der kalten Jahreszeit. Hoffentlich!

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